Donnerstag, 27. August 2015

Fremdenhass wird nicht mehrheitsfähig sein

Seit Pegida (hier synonym für alle verwirrten Gruppen mit „gida“ im Namen verwendet) im Oktober 2014 anfingen gegen andere Menschen zu hetzen, habe ich drei Blogeinträge zu verschiedenen Themen geschrieben, aber keinen zu der Hetzerei.

Auch als Brandanschläge auf geplante und bewohnte (!) Flüchtlingsunterkünfte verübt worden äußerte ich mich nicht zum Thema (auch in Facebook habe ich lediglich einen Kommentar (http://www.taz.de/Kommentar-Je-suis-Charlie-Hebdo/!5024440/) geteilt).

Rückblickend meine ich, ich hätte früher zum Ausdruck bringen sollen, dass ich ihre Denkweise verabscheuungswürdig finde. Aber warum und warum tue ich es jetzt?

Bis zu den Ausschreitungen in Heidenau hatte ich nicht das Bedürfnis meinen Unmut über diese Spacken (ja, ich schere die einigermaßen friedlichen Pegia-Demonstranten und die gewalttätigen Terroristen (*) über einen Kamm, weil beide Gruppen anwidernder Nationalismus und Fremdenhass gepaart mit Xenophobie antreibt), zu artikulieren. Der Unmut war schon immer da und ich bin zu den Leuten und ihren Taten distanziert, warum soll ich also die Distanz noch zum Ausdruck bringen? Ich könnte zu so vielen Dingen meine Distanz artikulieren (Todesstrafe, Gewalt in der Ehe, Unfreiheit in Glaubensfragen etc.). Bloß zu sagen: „ich distanziere mich“ um seines guten Gewissens Willen und anschließend weiter nichts zu tun, hilft auch keinem. Der Kommentar von Anja Reschke, in dem sie fordert „dagegen halten, Mund aufmachen, Haltung zeigen“ (http://www.tagesschau.de/inland/kommentar-fluechtlinge-101.html), war mir bisher nur ein Like bei Facebook wert, hatte mich aber nicht sofort überzeugt in irgendeiner Form tätig zu werden. Da ich keine dumpfen Freunde am rechten Rand habe (falls doch, ist es so unterschwellig, dass ich es noch nicht bemerkt habe) muss ich auch zumindest bei Facebook nirgends dagegen halten. Und außerhalb meines Freundeskreises Artikel zu kommentieren, ist in den meisten Fällen meinem Eindruck nach aber leider vergebene Liebesmüh'. Zwar kann man den Hetzern nicht das „Feld überlassen“, denn auch mit anständigen Kommentaren, hat das Internet noch genügend Speicherplatz für den Hass, man könnte aber allein aus dem Grund kommentieren, damit neben 200 dumpfen Kommentaren (von den menschenverachtenden Kommentaren erwarte ich, dass sie durch die Moderatoren gelöscht werden) noch 10 abwägende Kommentare stehen. Aber auch dieser Nutzen, dass Leser, die das Kommentareverhältnis mit einer repräsentativen Umfrage zur Stimmung über Flüchtlinge verwechseln, einen realitätsgetreueren Eindruck von der Öffentlichen Meinung haben, erscheint mir zu gering als dass es sich lohnen würde.

Warum aber schreibe ich dann diesen Blog-Eintrag? Der Fremdenhass ist im Gegensatz zur Gewalt in der Ehe (und anderen Dinge von denen ich distanziert bin) ein akutes gesellschaftliches Thema und ich möchte dazu beitragen, dass von den paar Lesern außerhalb meines Freundeskreises (keine Ahnung wie viele das sind) die Doofen merken, dass ihr Fremdenhasses nicht mehrheitsfähig und damit fruchtbar sein wird. Die anderen, die Leser mit Verstand, hingegen sollen sich ermutigt fühlen im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegen Fremdenhass vorzugehen: vielleicht haben sie ja dumpfe Freunde, denen man mal Contra geben muss.

*„Terrorist“ weil diese Leute „Terror“ ausüben, wie er im Duden steht: http://www.duden.de/rechtschreibung/Terror. Dazu auch lesenswert: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/hetze-gegen-auslaender-im-internet-nennt-sie-terroristen-a-1045831.html)