Mittwoch, 6. Dezember 2017

Der Flixbus und die Brücke

Am 04.12. ist ein, abgesehen vom Fahrer, leerer Flixbus mit einer Brücke kollidiert, die niedriger war (ca. 3,4m) als der Bus (ca. 4m). [http://www.sueddeutsche.de/panorama/berlin-bruecke-zu-niedrig-dach-von-flixbus-abgetrennt-1.3778559]

Irgendwas muss schief gegangen sein, sonst wäre das nicht passiert. Als regelmäßiger Flixbus-Kunde interessiert mich natürlich was schieflief, was der Stand der Technik ist und was in Zukunft zur Vermeidung solcher Unfälle unternommen wird.

Mit diesen Fragen habe ich mich an die Presse-Abteilung von Flixbus gewandt. Zur ersten Frage erhielt ich die Antwort, dass sich Flixbus nicht an Mutmaßungen beteiligt, was nachvollziehbar ist. Ich hoffe, dass Flixbus die Informationen dann transparent zu gegebener Zeit von sich aus veröffentlicht. Ob die Fahrer konkret vor jeder Fahrt gebrieft werden oder Unterlagen zu den Fahrzeugabmessungen sichten müssen weiß ich nicht, in der Antwort heißt es jedoch, dass in Schulungen und Weiterbildungen auch Informationen über die Abmessungen der eingesetzten Busse weitergegeben werden. Bei den unterschiedlichen Bustypen [https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:FlixBus_buses_(green_livery)] erscheint es möglich, dass hier menschliche Fehler passieren. Ein System zur Höhenmessung (ähnlich einem Abstandsmesser) gibt es laut Flixbus derzeit nicht. Ob Flixbus den Einbau solcher Systeme oder eine Schildererkennung plant, war aus der Antwort nicht eindeutig zu erkennen. Schlecht wäre es sicher nicht.


Montag, 15. Mai 2017

Hey, wir lassen eine Jury über die Preisträger abstimmen; zumindest solange es uns in den Kram passt.

Bevor es sich versendet, möchte ich noch über die Goldene Kamera 2017 schreiben.

Dort wurde ja bekanntlich Ryan Gosling in der Kategorie Bester Film International ausgezeichnet – nachdem Joko und Klaas dem Veranstalter vorgetäuscht hatten, Gosling würde zur Verleihung kommen sofern er einen Preis bekommt. So stellen es zumindest Joko und Klaas in dem Making of dar (Teil 1: http://www.prosieben.de/tv/circus-halligalli/videos/94-goslinggate-teil-1-fake-ryan-gosling-prank-goldene-kamera-2017-clip und Teil 2: http://www.prosieben.de/tv/circus-halligalli/videos/94-goslinggate-teil-2-fake-ryan-gosling-prank-goldene-kamera-2017-clip). Der Veranstalter bestätigte quasi die Auszeichnung aufgrund von „auf der Show sein“ gegenüber der Welt: „Deshalb entschied sich die Redaktion der Goldenen Kamera den Film ,La La Land’ auszuzeichnen und den Preis stellvertretend für das gesamte Film-Team Ryan Gosling zu übergeben.“

Was mich an dieser stutzig machte, war der Widerspruch zur Website der Goldenen Kamera, wo es heißt, eine Jury (und nicht die Redaktion) wähle Preisträger aus: „Wer sich am Ende in geheimer Wahl durchsetzen konnte, erfahren auch die Jurymitglieder erst am Samstag, 4. März 2017, im Rahmen der ZDF Live-Übertragung der Gala.“ (http://www.goldenekamera.de/preisverleihung/article208983463/Unsere-Jury-Auf-der-Suche-nach-den-Besten.html?ref=sec)

Ich habe die Goldene Kamera und verschiedene Jury-Mitglieder (über ihre Agenturen) angeschrieben, welche Rolle die Jury tatsächlich hat und wie die Wahl denn so ablaufe. Ich habe entweder keine Reaktion erhalten (z.B. von der Goldenen Kamera und den meisten Jury-Mitgliedern) oder Antworten, dass die Klienten momentan furchtbar beschäftigt seien (Wotan Wilke Möhring und Friedemann Fromm).

Für mich ergab das alles den Eindruck, dass der größere „Skandal“ an der Verleihung eine Feigenblatt-Jury ist.

Die kleine Null möchte beim Schwimmmeister abgeholt und in die Y-Achse aufgenommen werden!

Auf tagesschau.de gibt es eine Analyse zur Landtagswahl vom 14. Mai 2017. Darin findet sich auch eine Grafik, die den Rückgang der Zustimmung zur Aussage "Hannelore Kraft versteht, was die Menschen in Nordrhein-Westfalen bewegt" veranschaulichen soll:

Bild 1: von http://www.tagesschau.de/inland/nrw-wer-waehlte-was-warum-101~magnifier_pos-3.html
Ich habe mir die Zahlen angeschaut und den Eindruck gewonnen, der Verlust in der Zustimmung ist noch viel größer als bei tagesschau.de angeben:

Bild 2: X-Achse gestaucht.
Das ist natürlich Quatsch; ich habe die X-Achse gestaucht, um es extremer aussehen zu lassen. Ich unterstelle dem Autor Fabian Grabowsky von tagesschau.de hier keine bewusste Irreführung der Art wie ich es eben demonstriert habe. Eigne "Fälschung" ist es in keinem Fall (solange die Zahlen stimmen), denn richtige Zahlen, ungeschickt darstellen, macht die Zahlen noch nicht falsch). Allerdings ist es einfach unsauber, die Y-Achse nicht bei 0 beginnen zu lassen. Hätte er sich dieses "Tutorial" seiner tagesschau(/Faktenfinder)-Kollegin Verena Stöckigt zu Herzen genommen, sähe die Grafik in etwa so aus: 
Bild 3: y-Achse fängt bei 0 an. (die x-Achse ist für die Vergleibbarkeit mit Bild 2 weiterhin gestaucht.)

Aber ganz ehrlich: wenn man die Informationen im Text hat - wie im vorliegenden Fall - braucht man dann noch ein Liniendiagramm mit ganzen zwei Punkten?

Donnerstag, 19. Januar 2017

Wer Lesen kann, muss Fakten nicht im Konjunktiv schreiben


Ab und an, frage ich mich schon warum Journalisten (bzw. Nachrichtenagenturen) nicht selber ins Gesetz schauen? Heute habe ich bspw. in der Welt einen dpa-Bericht gelesen:
"Dem Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) droht einem Verfassungsrechtler zufolge im Falle einer Verurteilung wegen Bestechlichkeit eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren."
 Um das rauszufinden muss man keinen Verfassungsrechtler befragen. Es reicht vollkommen nach "Bestechlichkeit" zu googlen. Man muss nicht mal wissen (ob wohl man das sollte), dass die allermeisten Straftaten im Strafgesetzbuch zu finden sind. Google führt einen dann zielsicher auf diesen Link: https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__332.html. Dort liest man dann "[...] Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren" also genau das, was einem der Verfassungsrechtler auch erzählt.

Nicht falsch verstehen, es macht durchaus Sinn, Experten zu einem Thema zu befragen. Allerdings kann man sich seines eigenen Verstandes bemächtigen und die offensichtlichen Fakten selbst nennen (vlg. dazu Journalisten-Regel Nr. 2345). Wie es besser geht zeigt die Marion Kerstholt auf tagesschau.de: "[...] will die Opposition [...] wissen, warum die Behörden nicht versuchten, Amri nach Paragraph 58a des Aufenthaltsgesetzes abzuschieben [...] Danach kann der jeweilige Innenminister die Abschiebung eines Ausländers zur Abwehr einer besonderen Gefahr für die Sicherheit des Landes oder einer terroristischen Gefahr beantragen."