Donnerstag, 19. Januar 2017

Wer Lesen kann, muss Fakten nicht im Konjunktiv schreiben


Ab und an, frage ich mich schon warum Journalisten (bzw. Nachrichtenagenturen) nicht selber ins Gesetz schauen? Heute habe ich bspw. in der Welt einen dpa-Bericht gelesen:
"Dem Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) droht einem Verfassungsrechtler zufolge im Falle einer Verurteilung wegen Bestechlichkeit eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren."
 Um das rauszufinden muss man keinen Verfassungsrechtler befragen. Es reicht vollkommen nach "Bestechlichkeit" zu googlen. Man muss nicht mal wissen (ob wohl man das sollte), dass die allermeisten Straftaten im Strafgesetzbuch zu finden sind. Google führt einen dann zielsicher auf diesen Link: https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__332.html. Dort liest man dann "[...] Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren" also genau das, was einem der Verfassungsrechtler auch erzählt.

Nicht falsch verstehen, es macht durchaus Sinn, Experten zu einem Thema zu befragen. Allerdings kann man sich seines eigenen Verstandes bemächtigen und die offensichtlichen Fakten selbst nennen (vlg. dazu Journalisten-Regel Nr. 2345). Wie es besser geht zeigt die Marion Kerstholt auf tagesschau.de: "[...] will die Opposition [...] wissen, warum die Behörden nicht versuchten, Amri nach Paragraph 58a des Aufenthaltsgesetzes abzuschieben [...] Danach kann der jeweilige Innenminister die Abschiebung eines Ausländers zur Abwehr einer besonderen Gefahr für die Sicherheit des Landes oder einer terroristischen Gefahr beantragen."

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