Montag, 15. Mai 2017

Die kleine Null möchte beim Schwimmmeister abgeholt und in die Y-Achse aufgenommen werden!

Auf tagesschau.de gibt es eine Analyse zur Landtagswahl vom 14. Mai 2017. Darin findet sich auch eine Grafik, die den Rückgang der Zustimmung zur Aussage "Hannelore Kraft versteht, was die Menschen in Nordrhein-Westfalen bewegt" veranschaulichen soll:

Bild 1: von http://www.tagesschau.de/inland/nrw-wer-waehlte-was-warum-101~magnifier_pos-3.html
Ich habe mir die Zahlen angeschaut und den Eindruck gewonnen, der Verlust in der Zustimmung ist noch viel größer als bei tagesschau.de angeben:

Bild 2: X-Achse gestaucht.
Das ist natürlich Quatsch; ich habe die X-Achse gestaucht, um es extremer aussehen zu lassen. Ich unterstelle dem Autor Fabian Grabowsky von tagesschau.de hier keine bewusste Irreführung der Art wie ich es eben demonstriert habe. Eigne "Fälschung" ist es in keinem Fall (solange die Zahlen stimmen), denn richtige Zahlen, ungeschickt darstellen, macht die Zahlen noch nicht falsch). Allerdings ist es einfach unsauber, die Y-Achse nicht bei 0 beginnen zu lassen. Hätte er sich dieses "Tutorial" seiner tagesschau(/Faktenfinder)-Kollegin Verena Stöckigt zu Herzen genommen, sähe die Grafik in etwa so aus: 
Bild 3: y-Achse fängt bei 0 an. (die x-Achse ist für die Vergleibbarkeit mit Bild 2 weiterhin gestaucht.)

Aber ganz ehrlich: wenn man die Informationen im Text hat - wie im vorliegenden Fall - braucht man dann noch ein Liniendiagramm mit ganzen zwei Punkten?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das Problem ist in diesem Fall weniger die Ausrichtung nach der y-Achse. Sondern die Verbindung von zwei Punkten. Solche zwei Daten sollte man einfach in einer Tabelle oder ähnlich darstellen. Die Linie hat überhaupt keinen Informationsgehalt sondern ist irreführend, dass es eine konstante Entwicklung nach unten gewesen wäre.
Außerdem ist die Orientierung an der O keine Empfehlung die man verallgemeinern sollte. Zum Beispiel richtet man Temperaturgraphen auch nicht am absoluten Nullpunkt aus, weil man dann viel Platz für wenig Änderung verschwenden wüde

MatheFürAlle hat gesagt…

Mathematisch gesehen ist auch das korrigierte Diagramm mit bei Null beginnender Ordinate (Hochachse, "y-Achse") falsch. Wie schon im Text rhetorisch grefragt, braucht es kein Liniendiagramm mit zwei Punkten, denn in einem solchen Diagramm steht jeder Punkt auf der Linie für ein Wertepaar Jahr/Zustimmung (d.h. im Jahr 2013 eine Zustimmung von 71%, im Jahr 2015 65,5% etc.). Das lässt sich aber aus den beiden diskreten Messungen 2012 und 2017 nicht ableiten. Ein Balkendiagramm wäre hier sehr viel geeigneter (und korrekt).

Karl hat gesagt…

Prozent-Achsen enden bei 100 % - der Aspekt fehlt noch bei der Achsskalierung.

Bild 3 suggeriert zudem, dass es unterhalb von 0 % weitergeht - was im vorliegenden Fall nicht möglich ist.

Selbst wenn man diese beiden Punkte berücksichtigt, kann man per Stauchung oder Streckung der x-Achse noch ein bisschen Dramatik erzeugen oder rausnehmen, je nach Belieben.

Anonym hat gesagt…

Vor allem suggeriert ein Liniediagramm einen Verlauf (und hier sogar noch einen linearen). ich wäre nicht so sicher, dass die Zustimmung 2014 bei 68% gelegen hat...

Anonym hat gesagt…

Zwei Werte als vorher/nachher-Betrachtung sind doch klassischerweise als Balkendiagramm darzustellen.

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